Hurra, mir wurde die größte Ehre zuteil, die man im politischen Haar bekommen kann: Der CSU-Chef Dietrich Keymer widmet mir einen persönlichen Artikel, in dem er erklärt, was ich alles nicht verstehe oder falsch darstelle. Diese Steilvorlage greife ich gerne auf und erweitere meine Darstellung der Haarer Finanzen.
Vergleich mit anderen Kommunen
Keymer schreibt: “… was Leiner nicht angreift, nämlich die ermittelte sehr geringe Steuerkraft der Stadt aus Einkommen- und Gewerbesteuer im Vergleich mit anderen Kommunen.” In der Tat, das habe ich noch nicht gemacht, obwohl ich interessante Vergleichszahlen bereits recherchiert hatte. Deren Präsentation hole ich gerne nach. Es gibt einige Kommunen, die gut mit Haar vergleichbar sind, sie haben nahezu exakt die gleiche Einwohnerzahl und liegen auch am Rande einer Großstadt: Vaterstetten, Gauting, Neusäß und Ottobrunn. Diese 4 Kommunen erwarten folgende Gewerbe- und Einkommenssteuereinnahmen für 2025:
Ort Gewerbe- Einkommenssteuer
Gauting 7,8 Mio. € 22,0 Mio. €
Neusäß 9,6 Mio. € 19,6 Mio. €
Vaterstetten 12,0 Mio. € 26,7 Mio. €
Haar 16-17 Mio € 19,2 Mio. €
Ottobrunn 17,5 Mio. € 23,0 Mio. €
Lassen Sie diese Zahlen auf sich wirken und fragen sich dann, ob die CSU die Lage Haars realistisch darstellt und ihre Panikanfälle berechtigt sind. Nur damit keine Missverständnisse entstehen: Auch ich und die Grünen setzen sich für die Ansiedlung neuer, gerne auch innovativer Unternehmen in Haar ein. Das ist aber nicht ein letzter Strohhalm vor dem Untergang, sondern ein selbstbewusstes Angebot an Unternehmen, weil auch eine stabile Stadt noch erfolgreicher werden kann.
Sind die Haushalte ausgeglichen?
Keymer und auch Andreas Bukowski behaupten immer wieder, zuletzt auf der Podiumsdiskussion zur Wahl, dass die Haushalte Haars “nicht ausgeglichen” seien. Daher lohnt auch hier ein genauerer Blick auf die Zahlen. Schaut man in die Unterlagen, so stehen dort diese Zahlen als Ergebnisse, bzw. Ansätze (2025, 2026) für den Verwaltungshaushalt:
Die Werte für 2025 und 2026 sind vorläufig! Man sieht, dass es sowohl Jahre mit Überschüssen als auch solche mit Defiziten gibt. Von Fraktionsvorsitzenden und Bürgermeistern erwarte ich aber, dass sie noch einen Schritt weiter rechnen. Bekanntlich wird die zu zahlende Kreisumlage immer aus der Finanzkraft des Vorvorjahres berechnet, also die Kreisumlage im Jahr 2024 bemisst sich aus dem Finanzergebnis des Jahres 2022, usw. Bei weitgehend gleichbleibenden Gewerbesteuereinnahmen ist diese Verschiebung nicht weiter beachtenswert. Wenn aber, wie in Haar in den letzten Jahren, die Gewerbesteuereinnahmen stark schwanken, dann führt dies auch jeweils zwei Jahre später zu Sprüngen bei der Kreisumlage, die das Ergebnis verzerren.
Die Lösung, um ein klareres Bild der finanziellen Lage zu erhalten, ist eigentlich einfach: Man rechne die Kreisumlage nicht dem Zahlungsjahr, sondern dem Gestehungsjahr zu. Die Kreisumlage des Jahres 2024 kann man beispielsweise schon in ihrem Gestehungsjahr 2022 zur Seite legen, man weiß ja nahezu genau, wie viel man 2 Jahre später “weiterreichen” muss. Wenn man diesen Rechenschritt für Haar durchführt, dann ergibt sich die rechte Spalte in obigem Bild.
Wenn man diese Artefakte durch nachgelagerte Abführungen herausrechnet, wird deutlich, dass Haars Haushaltsabschlüsse fast immer positiv sind. Für die Jahre 2025 und 2026 stehen noch Negativwerte, keine Sorge, die Kämmerei hat für 2025 schon Prognosen erstellt, die weit im Positiven liegen.
Nun hoffe ich, dass auch der Kollege Keymer etwas ruhiger auf Haars Finanzen blicken kann.

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