Wie würden Sie reagieren?
Angenommen, Sie wären die hiesige CSU und nominierten einen jungen Menschen für die kommende Stadtratswahl. Zwei Wochen vor der Wahl läuft dieser Mann zur AfD über und erklärt öffentlich, dort einen “politischen Neuanfang” versuchen zu wollen. Würden Sie
- Nichts tun?
- Erklären, dass man eine “Kurzschlussreaktion vermute”, die Stimmen für ihn aber ja weiter der CSU-Liste zugute kämen?
- Die eigenen Wähler dazu auffordern, ihn auf der Liste zu streichen und anderen eine zusätzliche Stimme zu geben, also zu kumulieren?
Wie viele andere hatte ich als Mindestreaktion erwartet, dass die Streichung empfohlen würde. Aber weit gefehlt, die Haarer CSU und ihr Vorsitzender Dr. Dietrich Keymer belassen es bei dem Hinweis, die Stimmen für den Neu-AfDler blieben ja bei der CSU. (Beleg)
Maximale Distanz?
In der Presse wird dieses Vorgehen dann als “maximale Distanzierung” verkauft. (Beleg) Nein, dies ist nicht einmal das nötige Minimum an Binnenhygiene, das nach diesem Übertritt nach Rechtsaußen unverzichtbar gewesen wäre. Bitte, liebe christlich-sozialen Mitbewerber, holt dieses Versäumnis schnellstmöglich nach und ruft zur Streichung von Herrn Liatsos von eurer Liste auf!
Wenn man nur ein wenig recherchiert…

Screenshot Instagram 25.2.26
Hätte man die rechte Gesinnung von Herrn Liatsos vorab erahnen können? Ich vermute, ja! Denn nach kurzer Recherche findet man seine bei Instagram hinterlegte E-Mail-Adresse. Sie lautet “chriso88@…”, enthält also eine allseits bekannte rechtsextreme Symbolik. (Beleg)
Auch seine Falschaussage im Juni 2025, dass das Europäische Parlament über die Abschaffung des Bargelds debattiere (Beleg), bedient ein typisch rechtes Narrativ.
Im Juli 2025 erklärt er, dass die “WerteUnion” und das “Bündnis Deutschland” seine zweit- und drittliebsten Parteien wären, nun ja. (Beleg)
Bleibt er Kandidat?

Screenshot tiktok 26.2.26
Formal bleibt Herr Liatsos Stadtratskandidat der CSU, aber die Haarer CSU schreibt in ihrem Statement, dass er seine Kandidatur mit sofortiger Wirkung beendet hätte. Dem steht entgegen, dass er in den sozialen Medien seine Partei-Mitgliedschaft umgehend aktualisiert hat, sich aber unverändert als Stadtratskandidat bezeichnet.
Autor: Ulrich Leiner, 26.2.26

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